IBM i Nachfolgeproblematik: Wissen geht verloren
Viele IBM i Experten gehen in den nächsten Jahren in Rente. Was das für Unternehmen bedeutet — und wie man gegensteuert.
IBM i Nachfolgeproblematik: Wissen geht verloren
Stell dir vor: Der einzige Mensch, der euer ERP auf dem IBM i wirklich versteht, geht nächstes Jahr in Rente. Kein Dokumentation. Keine Übergabe. Kein Nachfolger.
Das ist keine Katastrophenfiktion — das ist die Realität in Hunderten deutscher Mittelständler.
Die Zahlen
Laut Gartner sind über 70 % der aktiven IBM i / AS400 Entwickler über 50 Jahre alt. Die Plattform läuft in über 150.000 Unternehmen weltweit — davon viele im deutschsprachigen Raum in der Fertigungs- und Logistikbranche.
Das Problem ist nicht die Plattform. IBM i ist stabil, sicher, und läuft oft seit 20+ Jahren ohne nennenswerte Ausfälle. Das Problem ist der Wissenstransfer.
Warum ist Wissen so schwer zu transferieren?
IBM i Systeme sind oft über Jahrzehnte gewachsen. Ein typisches Unternehmens-ERP enthält:
- Programme, die 1995 geschrieben wurden und seitdem nie angefasst wurden
- Logik, die sich nur in den Köpfen der Entwickler befindet
- Undokumentierte Abhängigkeiten zwischen Programmen
- Workarounds für längst behobene Hardware-Bugs
Hinzu kommt: Die meisten Hochschulen lehren kein RPGLE. Der Nachwuchs, der IBM i überhaupt kennt, ist verschwindend gering.
Was können Unternehmen tun?
1. Dokumentation jetzt — nicht später
Wer die erfahrenen Entwickler noch hat, sollte sofort mit der Dokumentation beginnen. Nicht als Großprojekt, sondern inkrementell: Jede Änderung am Code wird dokumentiert. Jedes kritische Programm bekommt einen "Was macht das eigentlich?"-Kommentar.
2. Junge Entwickler ausbilden
Es gibt Nachwuchs — aber er muss gezielt gesucht werden. Entwickler mit Java- oder Python-Kenntnissen können RPGLE lernen. Die Lernkurve ist steiler als bei anderen Sprachen, aber nicht unüberwindbar.
Wichtig: Onboarding dauert bei IBM i länger als bei Web-Technologien. Plant 6–12 Monate ein, bis ein Junior eigenständig produktiv ist.
3. Modernisierung als Chance begreifen
IBM i unterstützt heute Node.js, Python, REST APIs und Open Source. Statt alles neu zu schreiben, kann man schrittweise modernisieren:
- Neue Features als REST APIs entwickeln
- UI-Layer durch moderne Weboberflächen ersetzen
- Legacy-Code kapseln, anstatt ihn zu reschreiben
4. Strukturiertes Wissensmanagement
Wikis, interne Schulungen, Pair-Programming zwischen Senior und Junior. Klingt banal, wird aber erschreckend selten gemacht.
Die Alternative
Wer nicht gegensteuert, riskiert irgendwann in eine Situation zu kommen, in der niemand mehr weiß, warum das System tut, was es tut — oder schlimmer, warum es plötzlich nicht mehr tut, was es soll.
Dann wird aus einem geplanten Wissenstransfer ein teurer Notfall-Consulting-Auftrag.
Fazit
Die Nachfolgeproblematik ist real, aber lösbar. Der erste Schritt: anerkennen, dass das Problem existiert. Der zweite: heute anfangen.
IBMiLearn wurde genau für diesen Kontext gebaut — strukturierte Ausbildung für Einsteiger und Quereinsteiger ins IBM i Ökosystem.
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